Ich war einmal der festen Überzeugung, dass Wellness nur im festen Verbund mit Urlaub möglich wäre. Eines besseren wurde ich belehrt, als ich meinen ersten Bandscheibenvorfall hatte und gleich darauf Nummer zwei sich bemerkbar machte. Ich konnte kaum noch gehen, geschweige denn, mich über die Maßen bewegen oder am Leben teilnehmen. Ich, als begeisterte Tänzerin und aktiver Mensch, war zum sitzen und liegen verdammt; es war ein Graus. Auf einmal wünschte ich mir einfach nur ein schmerzfreies Dasein, das war schon der höchste Traum von Wellness, den ich mir vorstellen konnte.
Als ich endlich operiert war, empfahl man mir Gelmatratzen, da sie für die beste Entspannung und die günstigste Liegeposition sorgen sollten. Ich informierte mich, noch während der Reha, wo es solche Gelmatratzen zu kaufen gab, und was sie kosteten. Es war mir eigentlich egal, ich hätte mich bis über beide Ohren verschuldet, nur um nie wieder solche Schmerzen erleiden zu müssen. Kaum anziehen konnte ich mich, bevor ich endlich den OP Termin wahrnehmen konnte; selbst die kleinste Mahlzeit konnte ich mir nicht selbst zubereiten, weil ich nicht Stehen konnte.
Auch nach der OP war nicht gleich alles eitel Sonnenschein. Es dauerte einige Monate, bis ich wieder nahezu schmerzfrei war. Ich musste mich sehr stark umgewöhnen, konnte nicht alles wieder machen, was vorher Gewohnheit war, und musste Bewegungen erlernen, die völlig fremd für mich waren. Dennoch möchte ich behaupten, dass die neuen Gelmatratzen durchaus eine gute Hilfe waren. Bemerke ich am Vormittag ein leichtes Ziehen im Rücken, lege ich mich eine Stunde hin. Stehe ich dann auf, sind an den meisten Tagen die Beschwerden kaum noch zu merken. Physiotherapie mache ich heute noch und ich muss gestehen, dass ich es sofort merke, wenn ich einmal eine Woche nicht hingehe. Meine Ansprüche an das Wort Wellness haben sich sehr verändert.
Bald nun gehe ich auf Kur, um noch einmal einen Schub nach vorne zu erzielen, und wirklich alles zu tun, um wieder beschwerdefrei zu werden. In meinen Beruf als Krankenschwester werde ich nie mehr zurückkehren können; dafür habe ich die Zusage einer Stelle in der Pforte in unserem Krankenhaus erhalten. Ich freue mich auf die Kur; das einzige, was ich befürchte ist, dass die Zimmer dort nicht mit den mittlerweile von mir so lieb gewonnenen Gelmatratzen ausgestattet sind, und meine Wellness beim Schlafen zu kurz kommt. Vielleicht kann ich dann endlich einmal wieder das Tanzbein schwingen; sachte und langsam, aber wenigstens Tanzen.
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